Moments in love

Als sie ihn traf, war es spontan und unerwartet. Das war keiner jener Augenblicke, die leer und ungesehen an uns vorüber gehen und sich lustlos zur Vergangenheit gesellen. Diese war einer der wenigen Minuten, an die man sich sein Leben lang erinnert.
Ein Interface, eine Kreuzung, ein Fluss, der sich teilt. Eine Entscheidung, deren Ziel noch nicht abzusehen ist, aber die in diesem Moment getroffen wird und die alles weitere verändern wird. Wenngleich Chance und Verhängnis oft nahe beinander liegen, ja oder nein, die Antwort auf diese Frage wurde bereits gegeben.
Sie sah zu ihm auf, und er lächelte sie mit sanften Augen an. Da war er also. Der Mann, der es mit ihr aufnehmen konnte. Endlich jemand, den sie ergründen und erobern wollte. Ihr ebenbürtig. Nicht nur durch die Selbstverständlichkeit, mit der er sie ansah, mit der seine Augen an ihrem Gesicht und ihrer Gestalt herabglitten wie Scheinwerfer, deren heisses Licht jede Pore öffnen und sie zum Schmelzen brachten. Schmelzwasser, das er nur zu gerne trinken wollte.

Eine Aura der Macht umgab ihn und die Menschen um ihn herum schienen auf jede Geste, jedes Wort, jedes Wimpernzucken zu achten, zu reagieren. Sie konnte diese Spannung regelrecht spüren, als ob hauchdünne Metallfaeden durch die Luft schwirrten und diese dabei durchsiebten, so schnell, dass einem das Atmen schwerfiel. Als sie jedoch den Raum betrat, teilten sie sich wie ein Vorhang, der Einlass gewährt. Ja, er wollte ihre Nähe.

Ihre Begleiterin hatte ihr etwas zugeflüstert, aber sie verstand sie kaum; die Veranstaltung sang ihr eigenes Lied, ein Surren und Summen von Stimmen, Champagnerglaesern, Musik und Gelächter. Er wirkte ernst und war vertieft in ein Gespräch mit dem Amerikaner, den sie schon zuvor gesehen hatte. Sie sprachen so leise, dass sie nicht einmal Wortfetzen hören konnte.

Wer war dieser Mann, dass die Bilanzen seiner Firmen mehr Gewinn auswiesen als die der anderen? Wie kam es, dass seine Unternehmungen so erfolgreich waren, dass sie jedes Mal all das in den Schatten stellten, das er bisher erreicht hatte? Was wollte er, das ihn nie zur Ruhe zu kommen liess? Ein Mann, der Visionen hat, während andere mit offenen Augen schlafen. Der das Beste will und es auch bekommt. Der nichts bereut und niemals zurückblickt. Und nimmt, als ob es sein Naturrecht sei. Nie genug und doch so zufrieden.

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