Prometheus: Im Weltall nichts Neues

Eine Filmkritik

Eines vorweg, der neueste Science Fiction-Horror Blockbuster von Ridley Scott ist alles andere als einschläfernd. Wissenschafter finden in Irland mysteriöse Inschriften, die es weltweit an voneinander unabhängigen Orten gibt und die einer Einladung aus dem All gleichkommen: Die Ingenieure, die angeblichen Schöpfer der Menschen, laden genau diese ein in den entferntesten Winkel des Universums zu kommen.
Ein unterhaltsames Kinoerlebnis ist somit garantiert, sofern der Zuschauer sich zurücklehnt, die 3D Brille aufsetzt und nichts mehr hinterfragt. Die einen wird wohlige Gänsehaut überkommen, die anderen werden mit einem flauen Gefühl im Magen das Kino verlassen, doch eines wird der Film kaum auslösen: Alpträume. Denn die hatten wir alle schon einmal. Alle Monster und Schocksequenzen haben wir schon einmal gesehen. Wir haben uns alle schon zigfach von Aliens in allen Variantionen erschreckt, vom „Ding aus einer anderen Welt“ geekelt, waren von wahnsinnigen Zombieangreifern schockiert und von der befremdlichen „2001- Odyssee im Weltraum“ aufgewühlt.  

Die Geschichte über eine kleine Gruppe von Wissenschaftern, die von der mächtigen Weyland Corporation auf den fernen Mond  LV 233 geschickt wird, um dem Ursprung der Menschheit auf den Grund zu gehen, vereinigt zahlreiche Elemente bekannter Horror und Science Fiction Klassiker. Nicht überraschend, nachdem sich der Film ja als Alien-Prequel versteht. Doch ist es nicht nur die glibbrige, von H.R. Giger geschaffene, grauenhafteste Kreatur der Kinogeschichte, die uns hier begegnet, die Drehbuchautoren bescheren uns auch einige andere Deja Vus.  Zum einen den Androiden, perfekt besetzt mit dem kühlen, unnahbar wirkenden Michael Fassbender, der zwar nicht in seine Einzelteile zerfällt aber zumindest seinen Kopf verliert und weißes Blut hat. Zum anderen die tapfere Heldin Elisabeth Shaw, beeindruckend gespielt von Noomi Rapace, die sich minutenlang in Unterwäsche durchs Bild schleppt, und nicht nur dabei stark an Signourey Weavers mutige Offizierin Ellen Ripley erinnert. Auch das Hollogram, das die Bodenstation der Ingenieure darstellt und in dem alle Lebewesen als rote Punkte angezeigt werden, kommt aus den frühren Alien Filmen bekannt vor.
In „Prometheus“ findet die Crew während ihrer ersten Expedition statt der schleimigen Eier, aus denen die aggressiven Facehugger krochen, nunmehr vasenähnliche Gefäße mit einer schwarzen Flüssigkeit, die ein bisschen wie eingedicktes Erdöl aussieht. Eine versteckte Botschaft? Denn als die Flüssigkeit austritt, wird dadurch der Boden verseucht und entwickeln sich gleichsam wie ein Geschwür echsenhafte, bösartige Aliens.

Einige Szenen und Einstellungen scheinen überflüssig, weil weder spannend noch informativ. Andere wiederum entbehren jeder Logik. So zum Beispiel in einem der sadistischen Höhepunkte des Films, als die Wissenschafterin Shaw erfährt mit einem Alienembryo schwanger zu sein. Ihr Freund hatte vor dem Liebesspiel unwissend von der schwarzen Flüssigkeit getrunken, die der neugierige Android an Bord gebracht hatte. Da trifft es sich gut, dass Konzernsprecherin Meredith Vickers ihr eigenes vollautomatisisertes High-Tech-OP-Bett in ihrer Kabine hat, welches sie Miss Shaw zuvor stolz präsentiert hatte. Doch warum ist dieses dann nur für Operationen von männlichen Patienten programmiert? Shaw löst das Problem, indem sie den Befehl für eine OP zur Entfernung eines Fremdkörpers aus ihrem Bauch gibt. Erstaunlicherweise vermag der medizinische Roboter nun auch die Nabelschnur zu erkennen und diese problemlos durchzuschneiden, gerade noch rechtzeitig bevor….

 „In der Wüste ist nichts. Kein Mann braucht Nichts.“ Lawrence von Arabien

Zu Beginn des Films erfährt man, dass der Android David, der übrigens nicht nur die Frisur von Peter O’Toole kopiert, sondern auch David Bowie recht ähnlich sieht, sich gerne den Klassiker ”Lawrence von Arabien” ansieht.
Warum aber ausgerechnet dieses Zitat aus „Lawrence von Arabien“ bedeutungsschwanger eingeblendet wird, ist eine der vielen Fragen, die man sich stellen könnte. Schließlich gibt es im Weltall ja allerhand. Vielleicht ist mit „Nichts“ die fehlende Antwort auf das große Rätsel der Menschheit gemeint. Denn im Weltall findet sich diese nicht. Zumindest nicht jene, die die Prometheus zu finden gehofft hatte. Eine Fortsetzung des Films ist demnach nicht nur aufgrund der beeindruckenden Einspielergebnisse wahrscheinlich.
Ridley Scott wird sich hoffentlich noch ein paar originellere Antworten einfallen lassen. In Hollywood ist doch alles möglich.

One thought on “Prometheus: Im Weltall nichts Neues

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