Within you

© Denise Aichelburg

Ihr Herz pochte bis zum Hals, unaufhörlich, immer heftiger. Nur ganz langsam schritt sie die Stufen zum Eingang der Konzerthalle empor, um Zeit zu haben einige Male tief Luft zu holen. Mit jedem Atemzug, mit dem sich ihre Lungen füllten, wurde das Kribbeln weniger, lockerte die Nervosität ihre Umklammerung. Spürbar gelassener betrat sie die Eingangshalle und sah sich um.

Plötzlich spürte sie, wie jemand ihr rechtes Schulterblatt berührte, und dann sanft mit dem Finger ihre Wirbelsäule entlang fuhr. Ein leichter, kühler und doch angenehmer Schauer lief ihr über den Rücken, und ganz automatisch drehte sie sich zur Seite. Aber er stand schon vor ihr, ganz plötzlich, und nahm ihr Gesicht in beide Hände, sodass seine großen Handflächen ihre Wangen bedeckten. Seine Daumen berührten ihre Lippen, da zog er sie zu sich und küsste sie forsch und dennoch zurückhaltend, schließlich waren sie nicht allein.

‘Mein Liebling, wie wunderbar Du aussiehst’, sagte er nachdem er einen Schritt zurück getreten war und sie ansah. Sie musste lächeln. Ihre Augen fanden sich, ihre Blicke lockten ineinander und alles um sie herum verschwand, war nicht mehr wichtig, es gab nur sie beide und das, was sie verband. So vertraut, vertrauensvoll aber auch verwundbar. Er nahm ihre Hand und geleitete sie durch die Menge bis zum Aufgang. Sie blieb dicht hinter ihm, immer noch schwebend, wie hypnotisiert, so groß war das Glück, das sie empfand. Er fühlte es ebenfalls, fühlte eine solche Kraft, dass er glaubte, mit ihr bis zum Mond empor steigen zu können, hinauf und immer weiter, ein Stockwerk nach dem anderen. Er würde sie hinauftragen zum Mond, und dort läge sie in seinen Armen und nie wieder ließe er sie gehen. Allein der Gedanke sich von ihr zu trennen schmerzte und brachte ihn zurück in die Realität. Aber diese war heute schön wie in einem Traum, welch’ glanzvoller Abend, welch’ wunderschöne Momente, die ihnen vergönnt waren.

Sie nahmen ihre Plätze ein, ganz vorne am Balkon. Sie wechselten ein paar Worte, nickten ihren Sitznachbarn zu, sahen sich an. Die Geräuschkulisse verstummte allmählich, und die ersten Klänge der Musik vertrieben die letzten bösen Gedanken, der Geist war rein und offen für das, was kommen sollte. Ein Genuss der Sinne, der sich zusammen mit ihr, seinem Engel, in unerschwingliche Höhen schraubte. Das Leben war gut zu ihm.
Im Takt der Musik streichelte er die Unterseite ihres Arms, die Haut so zart wie Seide, und schließlich nahm er ihre Hand, legte sie in seine Hände, umfasste sie, schloss sie ein, spürte ihre Wärme und gab seine zurück.
Wie wohl sie sich fühlte, wie sehr dieser Mann sie anzog, wie sehr sie bei ihm sein wollte, jeden Tag, jede Stunde. Das Leben war nicht genug, dachte sie manchmal, die Zeit, die ihnen bleiben sollte, nicht ausreichend, um das, was sie mit ihm teilen wollte, auszuleben.
Doch niemals hätte sie damit gerechnet, ihn zu verlieren. Niemals hätte sie auch nur geahnt, was kommen würde.

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