Orange Missernte

Ein schönes Land, aber ein raues Klima für Orangen
© Denise Aichelburg

Am 22. Mai vor 7 Jahren wurde Peter Westenthaler zum Parteiobmann des BZÖ bestellt. Und was macht er heute im verflixten siebenten Jahr? – Er hält sich immer noch tapfer im Sessel, inzwischen allerdings nur mehr als Stellvertretender Klubobmann. Dazu möchte ich hier einen kurzen bissigen Kommentar veröffentlichen, den ich in meiner Zeit als Webredakteurin im Jahr 2006 verfasst hatte. Viel Spass beim Lesen!
(Ich darf hinzufügen, dass ich grundsätzlich nichts gegen diese Partei habe und man eine ähnlich bissige Story über jede österreichische Partei hätte schreiben können. Weitere Polit-Kommentare folgen also in Kürze.) 

Orange Missernte
Ein ironischer Rückblick auf die Geschichte einer österreichischen Partei

Ein satter, prächtig blühender Orangenhain, der sich über das ganze Land ausbreitet, hätte es werden sollen. Einen reißenden Absatz der Orangenfrüchte hatte man sich erwartet. Aber es kam anders.

 Weder in der Steiermark, weder im Burgenland, noch in Wien konnten die Orangen erblühen. Die empfindlichen Pflänzchen wollten einfach nicht gedeihen. Ob das nun an der Sorte (falsche Kandidaten), der ungünstigen Hanglage (falsche Themen) oder an dem rauen Klima (wer braucht schon das BZÖ?) liegt, können auch die Experten nicht so genau sagen. Es werden wohl alle diese Faktoren eine Rolle gespielt haben.

 Begonnen hatte die Misserfolgsgeschichte im Frühjahr dieses Jahres. Orange sei stark im Kommen, hieß es damals. Es herrschte regelrecht eine orange Euphorie. Orange und Orangen, wo man hinschaute. Die Ernüchterung kam spätestens im kalten und verregneten Sommer, als sich die Umfragewerte für die orange Bewegung alles andere als freundlich zeigten.

 Hektisch wurde überlegt, wo man die Bäumchen wohl am besten anpflanzen sollte, und wo man es besser bleiben lassen sollte, weil der Boden für Orangen nicht geeignet sein könnte.

 In der Steiermark fand die Probe aufs Exempel statt. Ein Fehler! Die Ernte war schlecht. Die Orangen schmeckten den Leuten nicht. (Der Einzug in den Landtag blieb verwehrt.)

 Im Burgenland war man dann schon klüger und versuchte erst gar nicht, diese unreifen Früchte an den Mann bringen zu wollen. Lieber warten, das Land brach liegen lassen, und es in fünf Jahren noch mal probieren, lautete die Devise.

 Und dann Wien: „Nicht besonders“, kommentierte Orangenzüchter Dolinschek das Abschneiden am Wiener Markt. „Nicht entscheidend“, relativiert Oberorangenzüchter Jörg Haider die kaum vorhandene Nachfrage in Wien und setzt nun auf neue Sorten bzw. Personalumbesetzungen.

 Den einstigen Supermandarinen-Züchter Westenthaler überrascht das Ergebnis ebenfalls nicht. Er meint, man hätte man es hier erst gar nicht probieren sollen. Inzwischen hat die Westenthaler-Mandarine einem immensen Skandal ausgelöst, nachdem bekannt wurde, dass diese bösartige Allergien auslösen kann. Über die Restbestände wurde Quarantäne verhängt, ob diese Sorte je wieder in den Verkaufsregalen zu sehen sein wird, ist zu bezweifeln.

 Die einzige Hoffnung der Orangenhändler ist nunmehr die Ernte im Herbst, die  bundesweit für Ertrag sorgen soll, um so die Ausfälle durch die Missernten der letzten zwei Jahre zu kompensieren.

 Als „einen schwarzen Tag“ für die orange Bewegung bezeichnet der Sprecher des Orangenbündnisses den vergangenen Sonntag. Da hilft auch kein Hoffen auf Kreuzungsversuche mit dem Ziel einer Sammelbewegung. Weil es gibt nichts mehr, das man sammeln könnte. Außer ein paar verfaulten Orangen.

 

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