Wilde Hennen im heiligen Land

Featured

Immer mehr Tiroler Frauen erklimmen politische Höhen

Als „wilde Henn“ wird in Tirol eine Frau bezeichnet, die draufgängerisch und etwas übermütig ist und sich einfach nimmt, was sie will. Tatsächlich sind die Frauen aus der Region Tirol inmitten der österreichischen Alpen eine Liga für sich. Die Lebensumstände der rauen Bergwelt machten sie hart und unempfindlicher aber auch stärker, selbstbewusster und in gewisser Weise emanzipierter.

Heute ist Innsbruck, die Tiroler Landeshauptstadt, im vom warmen Fönwind begünstigten Inntal gelegen und von majestätischen Bergen umgeben, die einzige (!) Landeshauptstadt der neun Provinzen bzw. „Bundesländer“ Österreichs, in der eine Frau im Bürgermeistersessel sitzt. Aber auch im äußersten Winkel Österreichs, im malerischen Osttirol, gibt es inzwischen bereits die zweite Frau Bürgermeister innerhalb von nur 20 Jahren: Das hat immer noch Seltenheitswert im sonst recht emanzipierten Österreich.

Frühe Rebellin

Ein wenig „wild“ waren die „Bergfäuleins“ ja schon immer. Als herausragendste Frauenfigur des Mittelalters gilt in diesem Zusammenhang die Tiroler Gräfin Margarete von Tirol, auch Margarete Maultasch genannt, die als Zwölfjährige von ihrem Vater zwangsverheiratet wurde. Als sie nach dessen Tod im Jahr 1335 zur Alleinerbin Tirols wurde, scheute sie auch nicht vor kriegerischen Mitteln zurück, um ihren Machtanspruch zu behaupten und vertrieb kurzerhand auch den ungeliebten Ehemann. Danach nahm sie einfach einen anderen, obwohl ihr das Probleme mit dem Papst einbrachte. Ihr Beiname „Maultasch“ zeugt davon, dass es sich um eine sehr ungewöhnliche Frau gehandelt haben muss. Einige Historiker beschreiben sie als Frau von außerordentlicher Schönheit, andere wiederum behaupten das Gegenteil, sie hätte einen missgebildeten Mund. Am wahrscheinlichsten ist, dass die edle Dame ganz einfach ein großes Mundwerk hatte und ihre eigene Meinung laut kund tat, und das war man von Frauen gerade im Mittelalter sicher nicht gewöhnt.

 Überlebenskampf

Hart war das Leben für die Tiroler Frauen allemal. Das harsche Klima mit Temperaturschwankungen von bis zu zwanzig Grad innerhalb weniger Stunden, die steilen Berghänge, die mit der Hand gemäht werden mussten, die viele Arbeit, all das sorgte dafür, dass die Tirolerinnen schwere Schicksale zu meistern hatten. Obendrein war in dieser patriarchalischen und streng katholischen Gesellschaft ganz klar der Bauer der Herr im Haus. Selbst die Bäuerin hatte nicht viel zu melden, aber zumindest etwas Macht über das Gesinde am Hof. Das schlimmste Los hatten die Mägde, die unter unsagbaren Bedingungen uneheliche Kinder auf die Welt brachten, die unter noch schlimmeren Bedingungen als Leibeigene gehalten wurden.

Trotzdem galt die Familie selbst als heilig. Denn nur durch den Zusammenhalt der Familie, das Miteinander, konnte das Überleben am Bergbauernhof gesichert werden. Wenn es nur Mädchen gab, so erbte die stärkste und tüchtigste den Hof und suchte sich einen passenden Bauer oder einfach einen kräftigen Knecht, der die schwere Arbeit übernahm. Das Kinderkriegen gehörte selbstverständlich dazu, im gebärfähigen Alter hatten Frauen im Schnitt zehn Kinder, von denen meist nur wenige das Erwachsenenalter erreichten. Noch heute sind in Bergbauerndörfen fünf Kinder ganz normal. Kinder waren wichtig, denn zu den Zeiten der Ernte oder der Maat, musste alles, was laufen konnte hinaus auf die Felder und Wiesen. Nur die Säuglinge nicht, diese wurden mitsamt der Krippe unter den Tisch geklemmt, damit sie nicht hinausfallen und sich verletzen konnten. Denn zum Aufpassen hatte niemand Zeit.

Schöne Kargheit

Auch im 20. Jahrhundert wurde das Leben der Tiroler Bergbauernfamilien nicht viel leichter. Viele Tiroler wanderten ab und zogen nach Wien um zu studieren oder in den Städten ein bequemeres Leben zu führen. Dennoch zieht es viele von ihnen früher oder später wieder zurück auf ihre Höfe in luftigen Höhen.

Das Leben am Berg birgt einen seltsamen Widerspruch von Kargheit, Entbehrung  aber auch Faszination und Schönheit in sich. Der Tiroler 59-jährige Schauspieler Ludwig Dornauer vermag genau diesen Widerspruch wundervoll in Worte zu fassen:

„Geboren wurde ich 1953 auf einem Bergbauernhof im Zillertal an einem strahlend schönen Spätherbsttag. Mein Leben als Kind auf dem Bauernhof und im Sommer auf der Alm war nicht leicht. Die Erfahrung dieses harten Lebens in meiner Kindheit und der oftmals rauhe Ton im Umgang miteinander lastet noch immer schwer auf mir. Zugleich habe ich aber auch durch diese intensiven Erfahrungen in jener Zeit eine besondere Bindung zum ,alten‘ Leben. Es hat mich geprägt. Und an die Menschen, die dieses harte Leben in unendlicher Genügsamkeit ertrugen, denke ich voller Achtung und Wehmut.“ 

Das Tiroler “Dirndl” erfreut sich national wie international immer größerer Beliebtheit. Foto: Sportalm

 Moderne Töchter

Herbe kantige Gesichtszüge, überwiegend schlanke und drahtige Körper und meist mit einem leicht gebräunten Teint, so sieht die typische Tirolerin immer noch aus. Und mit ihrer angeborenen Zähigkeit erkämpfen sich diese Frauen nun auch den ihren gebührenden Raum in Politik und Wirtschaft.

Eine davon ist die 46-jährige Elisabeth Blanik, eine zierliche, blonde und attraktive Architektin und seit nunmehr einem Jahr auch Frau Bürgermeister der 12.000 Einwohner großen Sonnenstadt Lienz. Alles andere als ein Neuling in der Politik, ist sie schon seit 2003 Abgeordnete zum Tiroler Landtag, einer Art regionalem Parlament. Und auch im Stadtamt selbst hat sie reichlich Erfahrung, nachdem sie schon seit März 2004 die Stellung der zweiten Bürgermeister-Stellvertreterin inne hatte.

Dass es ihr gelang in der patriarchalisch geprägten politischen Gipfeln Tirols durchzusetzen, zeigt, wie selbstbewusst die Frauen Tirols mittlerweile sind. So gibt es heute immerhin schon zehn Frau Bürgermeisterinnen, während es noch vor einigen Jahren nur zwei waren.

Blaniks Vorgängerin und die allererste Bürgermeisterin Tirols überhaupt, war die Geschäftsfrau und Mutter dreier Kinder Helga Machne, die ganze neun Jahre im Chefsessel der “Liebburg”, des Lienzer Rathauses, saß und schließlich auch in den Nationalrat, das österreichische Parlament, nach Wien entsendet wurde.

Fast noch berühmter, wenn auch nur für kurze Zeit, wurde eine weitere Lienzerin, die damals 38-jährige Verena Remler, die 2010 auserwählt wurde, als “Staatssekretärin für Familie”, vergleichbar mit einem Ministerposten, in die Regierung einzuziehen.

Leider wurde sie im Zuge einer Regierungsumbildung aufgrund schlechter Beliebtheitswerte des Kanzlers als “Bauernopfer” dargeboten, mit dem Ergebnis, dass man die junge Tirolerin aus dem Wiener Intrigenstadel wieder heim schickte. In ihrer Funktion wirklich aktiv zu werden, dafür hatte die Juristin in den sechs Monaten kaum eine Möglichkeit. Sie ist allerdings weiterhin als Abgeordnete zum Tiroler Landtag tätig und wartet auf ihre nächste große Chance.

Allen diesen Tiroler Polikerinnen liegen insbesondere die alten Menschen und die Kinder am Herzen. Vor allem der Ausbau einer ganztätigen Kinderbetreuung ist dringend notwendig, sind doch bereits 59% der Tiroler Mütter von Kindern im Kindergartenalter berufstätig.

Die Lebensqualität in der Dolomitenstadt Lienz ist eine der höchsten in ganz Österreich. Auch wenn die Löhne um ein Viertel niedriger sind als in den Städten, vor allem in Wien, reicht es doch zum Leben, da die Lebenshaltungskosten wie Miete und Lebensmittel ebenfalls kürzer ausfallen. Da bleibt sogar noch etwas für die Freizeitsgestaltung übrig. Denn das Urlaubsparadis liegt ja direkt vor der Tür. Die Berge und Seen locken im Sommer, während der Winter zum Skifahren und zahlreichen anderen Sportarten einlädt, die hier kostengünstig ausgeübt werden können. Die kleinen Tiroler Buben und Mädchen stehen schon auf den Skiern bevor sie Radfahren können und wachsen mit der Natur und viel Bewegung auf.

Wen überrascht es da, dass die Ehefrau des Moskauer Bürgermeisters Elena Baturina sich sofort in die Tiroler Berge verliebte und sich auch beruflich dort engagieren wollte. Im Nobelskiort Kitzbühel ließ sie das prächtige Grand Tirolia Hotel( http://www.grand-tirolia.com/de/willkommen ) erbauen, das noch mehr zahlungskräftige Klientel vor allem aus Russland anzieht und damit direkt und indirekt zahlreiche wichtige Arbeitsplätze schuf.

Letzteres ist in Tirol von entscheidender Bedeutung, wo doch ca. 18% der erwerbstätigen Bevölkerung in der Tourismusbranche tätig ist.

Somit verdient sich Baturina ebenfalls einen Platz in den Rängen der „wilden“ Frauen des Landes.  

 

 

Prometheus: Im Weltall nichts Neues

Featured

Eine Filmkritik

Eines vorweg, der neueste Science Fiction-Horror Blockbuster von Ridley Scott ist alles andere als einschläfernd. Wissenschafter finden in Irland mysteriöse Inschriften, die es weltweit an voneinander unabhängigen Orten gibt und die einer Einladung aus dem All gleichkommen: Die Ingenieure, die angeblichen Schöpfer der Menschen, laden genau diese ein in den entferntesten Winkel des Universums zu kommen.
Ein unterhaltsames Kinoerlebnis ist somit garantiert, sofern der Zuschauer sich zurücklehnt, die 3D Brille aufsetzt und nichts mehr hinterfragt. Die einen wird wohlige Gänsehaut überkommen, die anderen werden mit einem flauen Gefühl im Magen das Kino verlassen, doch eines wird der Film kaum auslösen: Alpträume. Denn die hatten wir alle schon einmal. Alle Monster und Schocksequenzen haben wir schon einmal gesehen. Wir haben uns alle schon zigfach von Aliens in allen Variantionen erschreckt, vom „Ding aus einer anderen Welt“ geekelt, waren von wahnsinnigen Zombieangreifern schockiert und von der befremdlichen „2001- Odyssee im Weltraum“ aufgewühlt.  

Die Geschichte über eine kleine Gruppe von Wissenschaftern, die von der mächtigen Weyland Corporation auf den fernen Mond  LV 233 geschickt wird, um dem Ursprung der Menschheit auf den Grund zu gehen, vereinigt zahlreiche Elemente bekannter Horror und Science Fiction Klassiker. Nicht überraschend, nachdem sich der Film ja als Alien-Prequel versteht. Doch ist es nicht nur die glibbrige, von H.R. Giger geschaffene, grauenhafteste Kreatur der Kinogeschichte, die uns hier begegnet, die Drehbuchautoren bescheren uns auch einige andere Deja Vus.  Zum einen den Androiden, perfekt besetzt mit dem kühlen, unnahbar wirkenden Michael Fassbender, der zwar nicht in seine Einzelteile zerfällt aber zumindest seinen Kopf verliert und weißes Blut hat. Zum anderen die tapfere Heldin Elisabeth Shaw, beeindruckend gespielt von Noomi Rapace, die sich minutenlang in Unterwäsche durchs Bild schleppt, und nicht nur dabei stark an Signourey Weavers mutige Offizierin Ellen Ripley erinnert. Auch das Hollogram, das die Bodenstation der Ingenieure darstellt und in dem alle Lebewesen als rote Punkte angezeigt werden, kommt aus den frühren Alien Filmen bekannt vor.
In „Prometheus“ findet die Crew während ihrer ersten Expedition statt der schleimigen Eier, aus denen die aggressiven Facehugger krochen, nunmehr vasenähnliche Gefäße mit einer schwarzen Flüssigkeit, die ein bisschen wie eingedicktes Erdöl aussieht. Eine versteckte Botschaft? Denn als die Flüssigkeit austritt, wird dadurch der Boden verseucht und entwickeln sich gleichsam wie ein Geschwür echsenhafte, bösartige Aliens.

Einige Szenen und Einstellungen scheinen überflüssig, weil weder spannend noch informativ. Andere wiederum entbehren jeder Logik. So zum Beispiel in einem der sadistischen Höhepunkte des Films, als die Wissenschafterin Shaw erfährt mit einem Alienembryo schwanger zu sein. Ihr Freund hatte vor dem Liebesspiel unwissend von der schwarzen Flüssigkeit getrunken, die der neugierige Android an Bord gebracht hatte. Da trifft es sich gut, dass Konzernsprecherin Meredith Vickers ihr eigenes vollautomatisisertes High-Tech-OP-Bett in ihrer Kabine hat, welches sie Miss Shaw zuvor stolz präsentiert hatte. Doch warum ist dieses dann nur für Operationen von männlichen Patienten programmiert? Shaw löst das Problem, indem sie den Befehl für eine OP zur Entfernung eines Fremdkörpers aus ihrem Bauch gibt. Erstaunlicherweise vermag der medizinische Roboter nun auch die Nabelschnur zu erkennen und diese problemlos durchzuschneiden, gerade noch rechtzeitig bevor….

 „In der Wüste ist nichts. Kein Mann braucht Nichts.“ Lawrence von Arabien

Zu Beginn des Films erfährt man, dass der Android David, der übrigens nicht nur die Frisur von Peter O’Toole kopiert, sondern auch David Bowie recht ähnlich sieht, sich gerne den Klassiker ”Lawrence von Arabien” ansieht.
Warum aber ausgerechnet dieses Zitat aus „Lawrence von Arabien“ bedeutungsschwanger eingeblendet wird, ist eine der vielen Fragen, die man sich stellen könnte. Schließlich gibt es im Weltall ja allerhand. Vielleicht ist mit „Nichts“ die fehlende Antwort auf das große Rätsel der Menschheit gemeint. Denn im Weltall findet sich diese nicht. Zumindest nicht jene, die die Prometheus zu finden gehofft hatte. Eine Fortsetzung des Films ist demnach nicht nur aufgrund der beeindruckenden Einspielergebnisse wahrscheinlich.
Ridley Scott wird sich hoffentlich noch ein paar originellere Antworten einfallen lassen. In Hollywood ist doch alles möglich.

Liebesspiel

© Denise Aichelburg

Einmal mehr
bin ich verwirrt

welch’ seltsame Welt
die mich in diesem Zustand hält

es wiederholt sich das Spiel
und vermag wahrlich viel
in meinem Herzen zu ändern
selbst wenn ich nicht will